Patricia Seifert
April 17, 2026

Ein kleiner Wegweiser durch den Ausrüstungsdschungel

Teil 1: Thema bequem und sicher schlafen im Zelt

Ahoi meine Lieben,

Diesen Blog widme ich dem Thema Zelteinrichtung. Das ist natürlich nur eine Anregung. Wie ihr euch am Ende einrichtet muss zu euch und eurer Umwelt passen. Aber verausgabt euch nicht. Auch hier gilt: weniger ist mehr.

So jetzt aber rein da!

Das Zelt

Wir benutzen seit vielen Jahren das Vago Ark 2000. Um genau zu sein seit 2013. Unserem ersten Wacken Festival. Die Wahl des Zeltes ist extrem entscheidend. Ihr müsst nicht nur auf die angegebene Personenanzahl des Zeltes achten, sondern auch auf die Verabeitung, den Aufbau und das Packmaß. Aber jetzt  erst mal von vorn.

Der Aufbau

Beginnen wir am Eingang. Das ist deutlich entscheidenter als man anfangs annimmt. Ein gutes Zelt sollte immer ein Vorzelt haben. Das ist ein kleiner extra abgetrennter Bereich vor der Schlafkabine. Dieser Bereich wird vor allem bei Schmuddelwetter wichtig. Es ist schon eine Kunst für sich mit einem Vorzelt das Equipment sauber und vor allem Trocken zu halten. Aber ohne wird es besonders spannend.

Ein Vorzelt ist gedacht für Dinge die dreckig oder nass oder beides gleichzeitg sind. Außerdem für Equipment dass man ungern draußen herumliegen lassen möchte, aber in der Schlafkabine ebenfalls nicht aufbewahren möchte. Sprich ein Vorzelt ist für dreckige Schuhe, den Campingkocher, eventuell Pfanddosen oder den Müllsack.

Merke:
  • Ein Vorzelt sollte für Dinge genutzt werden die dreckig oder nass sind. Zum Beispiel: Küchenequipment, Schuhe, Müllbeutel, Pfanddosen.
  • Niemals sollte man Wertsachen oder Elektrogeräte dort lagern. Auch offene Lebensmittel sollte man hier niemals abstellen.

Die Schlafkabine sollte so groß sein wie ihr sie benötigt. Wir für unseren Teil haben hier sehr aufs Packmaß geachtet. Das bedeutet unser Zelt ist exakt auf 2 Personen ausgelegt. Die Größe eures Zeltes hängt also ganz entscheidend von euren Bedürfnissen ab.

Großes Zelt heißt auch großes Packmaß, kleines Zelt kleines Packmaß, aber dafür auch weniger Platz. Und so auch hohes oder geringes Gewicht.

Die Maße des Vago 2000

In den Innenraum bzw. die Schlafkabine gehören ausschließlich Dinge die ihr auch zum Schlafen benötigt. Das heißt die Isomatten, der Schlafsack, eventuell ein Kissen. Außerdem gehören auch Wertsachen wenn ihr sie nicht anderweitig wegschließen könnt ins Zelt an den Kopfbereich. Oder noch besser wäre es wenn ihr euren Geldbeutel und das Handy mit in den Schlafsack nehmt. Im Normalfall ist auf der Innenseite eine kleine Tasche eingenäht. Natürlich gilt das nur dann wenn ihr euch hinlegt. Wenn ihr nicht im Zelt seit, haben eure Wertsachen dort auch nichts verloren. Außerdem sollten im Innenraum die Dinge aufbewahrt werden die nicht nass werden dürfen. Das heißt eure Kleidung und Elektrogeräte und Powerbanks.

Kleiner Tipp: Legt niemals etwas direkt an die Außenwand. In der Nacht bildet sich immer Kondenswasser. Und an der Stelle an der sich die Innenhülle und Außenhülle berühren (durch den Druck von dem Gegenstand im Inneren) sammelt sich hier das Kondenswasser.

Das heißt, eure Kleidung wird allein durch das neu gebildete Kondeswasser nass. Auch im Innenraum sollten die Rucksäcke immer geschlossen sein, und die Powerbanks in Plastiktüten verpackt bleiben.

Nehmt nur mit was ihr wirklich braucht.

Merke:
  • Im Innenraum werden vor allem Dinge aufbewahrt die trocken und sauber sind. Hier könnt ihr euren Rucksack, die Schlafsäcke, Isomatten und im Schlaf auch eure Wertsachen (in Körpernähe) lagern. Wichtig ist auch pro Person eine kleine Taschenlampe in Reichweite. Jeder sollte hier seine eigene haben.
  • Dinge sollten niemals direkt an die Zeltwand lehnen. Das führt zu starker punktueller Kondeswasserbildung. Somit werden empfindliche Dinge trotzdem nass, oder feucht.

Die verschiedenen Zeltarten

Mittlerweile existieren die unterschiedlichsten Zeltarten auf dem Markt. Ich werde im Folgenden auf die zwei Zelttypen eingehen die ich bisher am meisten wahrgenommen habe. Das ist zum einen das herkömmliche Stangenzelt und zum anderen das etwas modernere Pop Up Zelt.  

Das Pop- UP Zelt

  • sehr schneller Aufbau, unabhängig vom Wissensstand
  • Abbau deutlich nervenzehrender als der Aufbau
  • Abspannen nicht unbedingt nötig – Zelt baut die Spannung in sich selbst auf
  • geringe Deckenhöhe
  • einwandige Zeltwand → hohe Kondenswasserbildung
  • meistens kein Vorzelt
  • schwieriges Packmaß (flacher, großer Kreis)
  • nicht besonders langlebig durch einwandiges Design
  • eher geeignet für Schönwetter und Festivals
  • nicht familiengeeignet

Das Stangenzelt

  • Aufbauzeit stark variierend:
    • mit viel Übung: ca. 5 Minuten
    • ohne Übung: ca. 15 Minuten
  • Abbau entspricht dem Aufbau
  • Abspannen zwingend erforderlich – sonst klappt das Zelt zusammen
  • je nach Modell höhere Deckenhöhe
  • doppelwandige Zeltwand → deutlich weniger Kondenswasser
  • überwiegend mit Vorzelt
  • Packmaß meist zylinderförmig, insgesamt leichter zu verstauen
  • bei guter Pflege und regelmäßigem Imprägnieren sehr langlebig
  • gute Wahl für Camper*innen, die bei allen Wetterlagen draußen sind
  • für alle, die mehr als 2× im Jahr campen, meist die bessere Wahl
  • je nach Ausführung auch familiengeeignet

Welche Zeltart passt zu dir? – Entscheidungshilfe

Pop‑Up‑Zelt – nimm das, wenn…

  • du wirklich nur Schönwetter campst
  • du voraleem auf Festivals unterwegs bist
  • du keine Lust auf Aufbau hast
  • du allein oder zu zweit unterwegs bist
  • du ein Zelt brauchst, das schnell steht, aber nicht ewig halten muss

Nicht geeignet für:  Familien, schlechtes Wetter, längere Reisen, windige Regionen, alle, die mehr als 1–2× im Jahr campen.

Stangenzelt – nimm das, wenn…

  • du öfter als 2× im Jahr campst
  • du auch bei Regen, Wind oder Kälte draußen bist
  • du ein langlebiges, zuverlässiges Zelt willst
  • du ein Vorzelt brauchst (Kochen, Schuhe, Pfand, nasse Wäsche)
  • du Wert auf weniger Kondenswasser legst
  • du mit Kindern oder mehreren Personen unterwegs bist

Kurz gesagt:  Wenn Camping für dich mehr ist als ein Festival‑Gag, ist das Stangenzelt fast immer die bessere Wahl.

Mini‑Fazit

  • Pop‑Up‑Zelt: Spaß, schnell, unkompliziert — aber nur für gutes Wetter.
  • Stangenzelt: zuverlässiger Allrounder für fast jede Situation.

Lasst euch aber auf jeden Fall noch einmal in dem Campingausstatter eures Vertrauens beraten. Die Zeltgrößen solltet ihr auch einmal hautnah erleben. Nur so könnt ihr euch sicher sein, dass euch der Platz reichen wird.

Der Schlafsack

Ich persönlich nutze schon seit mehr als 10 Jahren den Shooting Star -1 von Jack Wolfskin. Bei starker Hitze oder generell im Süden Europas reichte mir bisher ein dünner Schlafsack aus dem Discounter. Für die Wintermonate habe ich mir den extrem dicken Polarschlafsack Antarctica von normani  besorgt.

Merke:

Normal: mittlere Dicke, Temperaturbereich: +4°C- +23°C

Sommer: geringe Dicke, Temperaturbereich: +15°C- +25°C

Winter: hohe Dicke, Temperaturbereich: -25°C- +5°5

Eine Faustregel die so gut wie immer zutrifft ist auch: Umso wärmer ein Schlafsack- umso dicker ist er auch. Diese Regel kann aber in sehr hochpreisigen Bereichen etwas hinken.

Außerdem gibt es noch die Unterscheidung zwischen Synthetik- und Daunenfüllung. Daunen sind wärmer, dafür aber auch empfindlicher. Sie fallen bei Nässe schnell zusammen und verklumpen. Synthetik hingegen braucht etwas länger um warm zu werden, dafür hält es aber auch Nässe aus. Ganz nebenbei ist es deutlich Pflegeleichter. Selbst wenn der Schlafsack repariert werden muss ist Synthetik deutlich dankbarer.

Ein weiterer Fakt den man nicht außer Acht lassen sollte ist dass Daunen ein Tierisches Produkt sind das nicht leidfrei gewonnen werden kann. Noch mehr als bei den Folgenden Kategorien gilt bei Schlafsack und Zelt: informiert euch sehr gut über das jeweilige Produkt. Ein gutes Zelt und ein warmer Schlafsack sind entscheidende Faktoren für eure Sicherheit.

Und nun das Wichtigste zum Schluss: Bevor ungenutzte Schlafsäcke in euren Kellern vermodern, spendet sie lieber. Millionen von Menschen sind auf sie angewiesen. Ihr könnt hier wirklich helfen.

Die Isomatte- seit 1972 nicht mehr wegzudenken

Wenn man in den Zelten die Schlafsäcke zurückrollt, findet man ganz unterschiedliche Systeme. Egal welches System ihr nutzt, es muss zu euch und euren Bedürfnissen und zu eurem Trip passen.

Es gibt nur genau ein System das noch nicht einmal auf Festivals funktioniert. Und das ist ist die Luftmatratze. In den letzten 14 Jahren Camping haben wir niemanden getroffen, nicht einmal auf den unzählbar vielen Festivals der damit auch nur 3 Tage am Stück gut geschlafen hat.

Das Problem daran ist einfach dass sie in der Wohnung auf dem glatten Laminat schon Luft verliert. Aber auf unebenen Kies oder Waldboden kann man das Projekt komplett abbrechen. Die erste Nacht wird sie etwas Luft nur verlieren. In den folgenden Nächten werdet ihr mitten in der Nacht auf dem blanken Boden aufwachen. Und es gibt kaum etwas nervigeres als sich in der Dunkelheit mehrfach aus und wieder in den Schlafsack zu wühlen. Aber wie schafft ihr euch nun eine gute robuste Basis?  

Die "einfache" Isomatte

Sie hat keine besonderen Zusatzfunktionen. Meist 1,9m lang und 55cm breit. Die normale Isomatte besteht aus herkömmlichem Schaumstoff. Sie schützt etwas gegen Kälte, ist einigermaßen bequem und dämmt nach unten etwas ab.

Im Großen und Ganzen eine passable mittlere Schicht. Auch für Menschen die einmal im Sommer für 2 Tage auf ein Festival fahren möchten sicher eine gute Wahl.

Man kann sie gut als Basisschicht gegen kleine Steinchen verwenden.

Die Thermo Matte

Sie ist im Normalfall eine einfache Isomatte mit einer Alufolie, teilweise auch aus einem Material das an eine Rettungsdecke erinnert einseitig beschichtet. Diese Matte gewinnt an Komfort nichts dazu. Sie ist meistens genauso dünn wie eine normale Matte.

Ihr einziger Vorteil ist die kälteabweisende Schicht. Je nach Wertigkeit der Matte kann das auf jeden Fall die Kälte etwas abhalten. Aber stellt euch den Effekt nicht zu stark vor. Es ist Besser als nichts, aber sie ersetzt keinen guten Schlafsack.

Die Matte macht auf jeden Fall als Basisschicht Sinn.

Die Yoga- Matte

Die Yoga- Matte oder auch Fitnessmatte ist ein absoluter Game- Changer. Sie ist super weich und für eine Isomatte und sehr dick. Das heißt sie isoliert auch besser gegen Kälte von unten. Außerdem ist sie sehr preiswert und langlebig obendrein.

Es gibt nur zwei sehr entscheidende Nachteile. Durch das Material kann sie viel Wasser speichern. Sehr viel Wasser. Das heißt leider auch wenn sie einmal richtig nass wird, benötigt ihr perfektes Sommerwetter und eine menge Zeit um sie wieder trocken zu bekommen. Sie wird länger als einen ganzen Tag brauchen bis ihr sie wieder benutzen könnt. Im schlimmsten Fall habt ihr also nachts keine Matte mehr.

Der zweite Nachteil ist ihr Gewicht bzw. Größe. Beides ist leider nicht zu unterschätzen. Durch das spezielle weiche Material ist sie leider die schwerste der vier Mattentypen.

Die Yoga- Matte ist als Zweitmatte als Middellayer oder als oberste Matte wirklich zu empfehlen, wenn ihr sicher mit schlechtem Wetter umgehen könnt.

Die selbstaufblasende Matte

Ein absoluter Klassiker, aber auch der Cadillac unter den Isomatten.

Ausrollen- Ventil öffnen- warten- zudrehen. Je nach Qualität des einzelnen Modells, kann man absolut nichts dagegen sagen. Außer vielleicht dass sie die teuerste unter den Matten ist. Und das mit großem Abstand. Für eine Matte dieses Typs könnt ihr gut und gern mal zwischen 60€ und 160€ im niedrigsten Sektor ausgeben. Wartet hier auf ein gutes Angebot im Handel oder probiert die Matten aus den Discountern aus. Sie sind im Preis/ Leistungs Ranking kaum zu schlagen. Wir selbst benutzen sie mit großer Überzeugung.

Im Endeffekt kommt es beim Camping auf das Layering bzw. den Zwiebellook an.

Die Matten liegen meistens im mittleren Gewichtsbereich. Als mittlere bzw. oberste Schicht sind sie immer wieder gern genommen.

Wie ihr euch vielleicht schon gedacht habt, legt man immer mehrere Matten übereinander. Wie viel und welche ist euch überlassen.

Falls ihr früh morgens aufbrechen wollt könnt ihr es auch mal etwas schmäler halten. Wenn ihr aber länger an einem Ort bleibt kann man schon überlegen ob man sich hier etwas mehr Mühe gibt.

Wichtig ist eigentlich nur, dass ihr nach unten hin eine isolierende Schicht habt. Die weicheren Schichten oder auch empfindlichen Matten kommen nach oben.

Als Beispiel: Thermomatte, aufblasbare Matte, Yogamatte. Das wäre ein gutes Setup für zwei Nächte bei +15°C und Wiese oder Waldboden.

Für schnelle Aufbrüche: Thermomatte, Yogamatte.

Zusammenfassung:

Ein weiterer Tipp: lasst euch kein überteuertes Equipment andrehen. Es kommt vor allem auf durchdachten Aufbau eures Setups an.

Der Boden auf dem alles Fußt

Die Bodenmatte. Kann man machen, muss man aber nicht. Ich persönlich lege sie immer unter unser Zelt, einfach schon um Steinchen und Dellen im Boden vorzubeugen. Sie sind schnell ausgelegt und schnell zusammengepackt, isolieren das Zelt von unten und halten auch Nässe ab.

Für Camper die ausschließlich zu Fuß unterwegs sind, können solche Matten schnell zu groß sein. Das Packmaß ist hier wirklich die Achillesferse. Eine Bodenmatte ist aber nur ein zusätzliches Gadget. Auch ohne sie könnt ihr draußen ausgezeichnet schlafen.

Viele Infos. Und nun?

Hier die Zusammenfassung:

Diese fünf Fragen entscheiden darüber, welches Equipment wirklich sinnvoll ist – und was ihr getrost zuhause lassen könnt.

Überlegt euch beim Packen immer:

  • Wo fahren wir hin?
  • Wie ist das Wetter aktuell?
  • Wie wird der Untergrund wahrscheinlich sein?
  • Wie sind wir unterwegs? (Auto, Bahn, zu Fuß)
  • Wie viele Stopps hat unsere Tour?

Beispiel:

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Überblick über einen Teil der Campingausrüstung geben.Frei nach der Devise: Camping muss nicht viel kosten – man muss nur wissen, wie’s geht.

Und jetzt seid ihr dran.

Raus mit euch.

Habt Spaß.

Und passt aufeinander auf.

Eure Patricia