↞Übersicht
Patricia
Freiheit auf Vier Rädern
7.8.26

Immer der Kompassnadel nach!

Abenteuer schwedisch Lappland

Von Bayern bis tief in die schwedische Arktis: Diese Route führt euch Schritt für Schritt durch unseren Winter-Roadtrip bis nach Kiruna. Mit Etappen, Fahrzeiten, Stellplätzen, Kosten und ehrlichen Einschätzungen zu Straßenverhältnissen, Maut und Camping hilft euch dieser Guide dabei, eure eigene Reise in den hohen Norden zu planen – ohne romantische Verklärung, aber mit jeder Menge Polarzauber.

Ahoi Crew!

Ein Frühstück auf der Arbeit, ein Artikel über Polarlichter und eine Woche Urlaub zu zweit. Mehr brauchte es nicht – schon saßen wir im vollgepackten 1er BMW mit dem Ziel, möglichst weit nach Norden zu kommen.

In diesem Artikel erwartet euch der Abschluss unseres Polarabenteuers.

Falls ihr jetzt eine Route voller Sehenswürdigkeiten entlang der Straße erwartet, muss ich euch leider enttäuschen. Unsere Strecke war äußerst pragmatisch. Aber lest selbst.

🌍 Land:
Nordschweden
⌛ Dauer:
3 - 7 Tage
🚗 Reiseart:
Roadtrip
🚙 geeigneter Autotyp:
Allrad
💨Unser Transportmittel:
1er BMW Combi (Heckantrieb)
⛺ Übernachtung:
Auto
🌻‍Beste Reisezeit:
Winter
⭐ Schwierigkeit:
Profi
💰 Reisekosten:
Unter 500€
🎒 Ausrüstungskosten:
500€ - 700€

1. Etappe: Bayern – Rostock

2. Etappe: Rostock – Trelleborg

3. Etappe: Trelleborg – Häggåsen über Stockholm und Sundsvall

4. Etappe: Häggåsen - Jokkmokk über Glommersträsk, Arvidsjaur und Kåbdalis

5. Etappe: Jokkmokk- Kiruna

6. Etappe: Rückreise Kiruna- Gränna

7. Etappe Gränna- Älmult- Trelleborg- Rostock- Bayern

1.Etappe: Bayern – Rostock

• Gesamtstrecke: 780 km

• Fahrzeit (Winter): ca. 7 Stunden

• Straße: überwiegend A9, A4 und A19

• Übernachtung: keine

• Schwierigkeitsgrad: ❄️

Okay, ich muss zugeben: Vom fahrtechnischen Anspruch war das eine ziemlich leichte Etappe. Ich muss wohl niemandem erzählen, wie sehr man beim sechsten Stau langsam an seine mentalen Grenzen kommen kann.

Die spannendsten Ereignisse auf unserem Weg waren vermutlich die gefühlt hundertste Spursperrung, dicht gefolgt von Überholmanövern aus der Hölle. Also gleich weiter zum wahren Abenteuer.

2.Etappe: Rostock – Trelleborg

• Gesamtstrecke: ca. 86 Seemeilen (≈ 160 km)

• Fahrzeit (Winter): ca. 9 Stunden

• Straße: Fährpassage über das Baltische Meer

• Übernachtung: an Bord

• Schwierigkeitsgrad: ❄️

Ihr könnt natürlich auch über Dänemark fahren – absolut praktikabel. Da wir aber ohnehin quer durch Schweden bis an den nördlichen Polarkreis wollten, haben wir uns den Luxus einer Fähre gegönnt.

Wir haben uns bei den großen Fährunternehmen umgesehen. Die Preise schwanken je nach Jahreszeit erheblich. Im Winter liegen sie für zwei Personen inklusive Pkw der kleinsten Fahrzeugkategorie bei etwa 100 €. Die Reedereien berechnen den Preis anhand der Fahrzeuglänge und ordnen das Fahrzeug anschließend einer Kategorie zu.

Unser kleiner Kombi ist rund 4,3 m lang und 1,7 m breit. Wenn ihr mit einem SUV oder sogar einem Expeditionsmobil unterwegs seid, sehen die Preise natürlich ganz anders aus. Falls ihr im Sommer Lust auf eine Bullerbü- Radtour bekommt, zahlt ihr für eine Person mit Fahrrad dagegen erstaunlich wenig. In unserer Preisklasse kann dieselbe Überfahrt im Sommer aber gut und gern das Dreifache kosten.

Ob sich eine frühe Buchung lohnt, kann ich euch leider nicht sagen, da wir unsere Reisen fast immer spontan planen.

Wir haben inzwischen schon zum zweiten Mal bei Stena Line gebucht und waren beide Male sehr zufrieden. Ihr könnt ein Frühstück dazubuchen – vorausgesetzt, ihr seid im Gegensatz zu mir seefest genug. Falls ihr euch etwas Komfort gönnen möchtet, bieten alle großen Fährunternehmen außerdem Kabinen an.

Wir gehören allerdings zu den Menschen, die sich lieber mit dem Schlafsack in eine ruhige Ecke verkriechen. Bei Stena Line war das bisher überhaupt kein Problem. Es gibt sogar bequeme Ruheräume, die sich dafür hervorragend eignen.

Vor unserer ersten Schwedenreise hatten wir übrigens überhaupt keine Ahnung, wie so eine Fährüberfahrt eigentlich abläuft. Für alle alten Hasen unter euch: Ihr könnt gern direkt zu Etappe 3 springen.

Für alle Newbies: Mitten im Winter mit einer Fähre der Dunkelheit entgegenzufahren, war für mich persönlich eine ziemliche Überwindung. Das Boarding fühlt sich ein bisschen so an, als würde man auf einem ADAC-Übungsplatz zwischen unzähligen Verkehrshütchen plötzlich den Überblick verlieren.

Irgendwann wird man eingewiesen und bei schwerem Seegang mit Gurten am Fahrzeugdeck gesichert. Wenn die Crew also die dicken Verzurrgurte auspackt, solltet ihr eure Vomex griffbereit haben.

Anschließend werdet ihr gebeten, eure wichtigsten Sachen mitzunehmen und den Fahrzeugbereich zu verlassen. Ich würde euch empfehlen, Folgendes mitzunehmen:

• Decke oder Schlafsack

• Kopfhörer oder Ohropax

• Ladekabel

• möglichst alle Powerbanks, die noch geladen werden müssen

Wenn ihr nach dem Boarding schnell genug seid und einen Platz an einer Steckdose ergattert, könnt ihr eure Geräte bequem aufladen.

Ansonsten wünsche ich euch Mast- und Schotbruch – und klar zum Ablegen.

3. Etappe: Trelleborg – Häggåsen über Stockholm und Sundsvall

• Gesamtstrecke: 1.083 km

• Fahrzeit (Winter): ca. 15 Stunden

• Straße: überwiegend E4

• Übernachtung: Haltebucht bei Häggåsen auf der E4

• Schwierigkeitsgrad: ❄️❄️❄️

Eine absolut machbare Strecke – für so gut wie jeden Autotyp. Nur mit einem Wohnwagen wäre ich im Januar etwas vorsichtiger. Manche Abschnitte können matschig oder rutschig sein, außerdem wird es an einigen Spurzusammenführungen etwas enger.

Die Route führt überwiegend über die E4 – eine Straße, die optisch eher an unsere Bundesstraßen erinnert. In Schweden gehört sie jedoch zu den wichtigsten Fernstraßen des Landes. Sie ist größtenteils mautfrei und verbindet den Süden mit dem Norden Schwedens.

Zum Thema Maut in Schweden müsst ihr eigentlich nur Folgendes wissen: Rund 99 % des Landes sind mautfrei. Gebühren fallen lediglich auf wenigen Streckenabschnitten an. Auf dieser Route betrifft das die Durchfahrt durch Stockholm sowie die Sundsvallbrücke.

Das Praktische daran: Ihr müsst nichts weiter tun. Keine Vignette kaufen, keine Mautstation suchen und nirgendwo anhalten. Die Kennzeichen werden automatisch erfasst und die Rechnung kommt – je nach Land der Zulassung – einige Wochen später per Post. In unserem

Fall kosteten zweimal Stockholm und zweimal die Sundsvallbrücke zusammen gerade einmal knappe 5€.

Optisch ist die Strecke genau das, was man sich unter Schweden vorstellt: rote Holzhäuser, endlose Wälder und weite Landschaften. Die Straße verläuft über viele Kilometer nahezu schnurgerade und ohne nennenswerte Steigungen.

Gerade deshalb solltet ihr aufmerksam bleiben. Solche monotonen Strecken können überraschend anstrengend sein und Müdigkeit wird schnell zum Risiko.

Falls ihr euch vor dem Autofahren in Stockholm sorgt, kann ich euch beruhigen. Auch wenn ihr keine eingefleischten Stadtfahrer seid, braucht ihr euch vor diesem Abschnitt wirklich nicht zu fürchten. Stockholm ist die entspannteste Großstadt, in der ich bisher gefahren bin. Ihr bleibt praktisch die gesamte Zeit auf der Autobahn, die Beschilderung ist hervorragend und die Verkehrsführung unglaublich logisch. Also ruhig Blut – Stockholm ist nicht Neapel.

Ab Sundsvall verändert sich die Landschaft spürbar. Die Straßen werden eisiger, die Schneemengen nehmen zu und auch die Dunkelheit wird intensiver.

Wir verließen die Fähre morgens gegen 07:00 Uhr, erreichten Stockholm gegen 13:00 Uhr, Sundsvall gegen 18:00 Uhr und schließlich Häggåsen gegen 22:00 Uhr. Google Maps hatte für die Strecke rund 11 Stunden berechnet – am Ende waren wir etwa 15 Stunden unterwegs. Je weiter wir nach Norden kamen, desto vorsichtiger sind wir gefahren. Dunkelheit, Schnee und vereiste Straßen sollte man im Winter wirklich nicht unterschätzen.

Eigentlich wollten wir am ersten Tag noch weiterfahren. Im Nachhinein war aber etwa die Hälfte der Strecke völlig ausreichend. Außerdem wurden wir hier mit den ersten – und rückblickend schönsten – Polarlichtern der gesamten Reise belohnt.

Alle paar Kilometer befinden sich hinter Stockholm großzügige Haltebuchten am rechten Fahrbahnrand. Sie dienen unter anderem dazu, bei Bedarf sicher anzuhalten. Wir haben dort viele Lkw-Fahrer gesehen, die ihre Ruhezeiten verbrachten – und wir haben es ihnen gleichgetan.

Ihr habt wahrscheinlich gerade das Bild einer überfüllten deutschen Raststätte vor Augen.

Um es kurz zu machen: Ich habe in dieser Nacht vielleicht zwei vorbeifahrende Lkw bemerkt.

Kostenlos. Sicher. Eben.

Was will man mehr?

Ein Polar-Roadtrip ist kein Luxusurlaub.

Dafür ist er echt.

4. Etappe: Häggåsen - Jokkmokk über Glommersträsk, Arvidsjaur und Kåbdalis

• Gesamtstrecke: 680km

• Fahrzeit (Winter): ca. 8 Stunden

• Straße: überwiegend E45

• Übernachtung: Laponia ställplats

Google Maps: https://maps.app.goo.gl/uXdd41AWQ7HRePcy7

• Schwierigkeitsgrad: ❄️❄️❄️❄️

Nach einem Tankstellenkaffee ging es dann auch schon weiter – immer der Kompassnadel hinterher. Schnurgerade Straßen führten uns durch unberührte Schneelandschaften. Die goldene Polarsonne verwandelte Skandinavien in eine unwirkliche, fast schon märchenhafte Kulisse.

Diese Etappe gehört zu den Strecken, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde.

Außerhalb der kleinen Orte haben wir teilweise über viele Kilometer kaum mehr als vier Häuser gesehen. Wenn mich jemand fragen würde, warum wir uns knappe 700km mit einem Heckantriebler durch das winterliche schwedische Lappland quälen, wäre meine Antwort: „Ich durfte eine Sonne erleben, die beeindruckender war als jede Aurora. Weil ich dort oben verstanden habe, was Einsamkeit wirklich bedeutet. Die Welt hier oben macht etwas mit der Seele.“

Aber trotz aller Magie, überschätzt euch nicht.

Wir kamen an zwei sehr schweren Verkehrsunfällen vorbei. In beiden Fällen waren schon Polizei und Rettungskräfte vor Ort. Beide Fahrer kannten ihre Straßen und trotzdem blieb von keinem der Autos mehr übrig als die Anhängerkupplung. Also: hier ist kein Kilometer-fressen angesagt sondern heil ankommen.

Wir hatten mir unserem Auto sehr zu kämpfen. Wir rutschten, wir schlitterten, wir drifteten beim kleinsten Schlenker. Ab hier kommt ihr am besten mit einem 4x4 oder einem SUV voran. Unser Auto kann ich euch guten Gewissens nicht empfehlen. Das wäre aus meiner Sicht verantwortungslos. Ich persönlich würde es aber jederzeit wieder fahren. Nur dieses mal mit Schneeketten.

Aber seit gewarnt: die Polarstraßen werden euch süchtig machen.

Wir erlebten eine Welt in der ein Gym kein Gebäude mit bodenhohen Fenstern ist. Hier oben ist ein Gym ein Haus mit weißer Bretterverkleidung mitten in der Nachbarschaft.

Eine Welt in der man lernt Weisstöne voneinander zu unterscheiden.

Eine Welt die trotz ihrer Weite nicht leer ist.

Wir sind um 10:00 Uhr gestartet. Gegen 13:30 Uhr erreichten wir Glommersträsk, eine kleine Gemeinde mitten im Nirgendwo. Gegen 15:00Uhr erreichten wir Arvidsjaur. Dieser Ort ist der letzte Pin auf dieser Etappe (bis Jokkmokk), an dem ihr Lebensmittel einkaufen oder fehlende Outdoorausrüstung besorgen könnt. Um 17:00Uhr durchquerten wir Kåbdalis. Und endlich um 18:00Uhr erreichten wir unser Etappenziel Jokkmokk. Jokkmokk ist ein absoluter Geheimtipp, wenn ihr eine kleine, unglaublich gemütliche, und vor allem romantische Stadt sucht. Hier hätte man ohne Probleme „Täglich grüßt das Murmeltier“ drehen können.

Alles in allem haben wir 8 Stunden benötigt. Google Maps hatte im Vorfeld 7h berechnet.

Den Google-Maps-Pin zu unserem Übernachtungsplatz habe ich euch oben verlinkt. Es handelt sich um einen wunderschönen kleinen Stellplatz am Stadtrand. Denkt daran, vorher einzukaufen – fußläufig erreicht ihr keinen Supermarkt. Hier müsst ihr komplett autark zurechtkommen. Ihr habt hier keine sanitären Einrichtungen, Stromanschlüsse oder sonstigen Luxus eines Campingplatzes. Dafür wacht ihr auf, und blickt auf ein Postkartenmotiv. Ihr habt hier auch gute Chancen auf Polarlichter.

5.Etappe: Jokkmokk- Kiruna

• Gesamtstrecke: 209km

• Fahrzeit (Winter): ca. 4h

• Straße: E45 dann E10

• Übernachtung: Luossavaarabacken (Skilift am Stadrand)

Google Maps: https://maps.app.goo.gl/Agqa5QaeADN6jApz9

• Schwierigkeitsgrad: ❄️❄️❄️❄️❄️

Ihr seht hier nicht umsonst fünf von fünf Schneeflocken. Diese Etappe ist nichts für schwache Nerven. Ihr habt euch schon lange gefragt was die Zeichen in der Autoanzeige unter der Tachonadel bedeuten. Gute Nachricht: Ihr werdet sehr viel von ihnen auf dem Weg nach Kiruna kennen lernen. Vor Allem das ABS-Zeichen war ein treuer Begleiter.

Diese Etappe verlangt euch fahrerisch deutlich mehr ab als alles zuvor. Die Straßen bestehen über weite Strecken aus Eis und Schnee ohne Rollsplitt. Bei jedem Anfahren drehten die Reifen durch. Jede Kurve wurde eine Herausforderung. Wir haben sehr schnell ein Gefühl entwickelt wie wenig wir einlenken müssen, um den Drift mit eingerechnet sicher um eine Kurve zu kommen. Als wir wieder im Süden waren, habe ich fast einen Unfall gebaut, weil ich nicht stark genug gelenkt hatte. Der Ausbruch der Hinterachse hatte gefehlt.

Wir sind keine Profi- Fahrer. Aber wir sitzen schon einige tausende Kilometer nebeneinander in genau diesem BMW. Passt bitte auf euch auf. Fahrt diese Strecke nur wenn ihr wirklich fit und ausgeschlafen seid. Nicht „ach mit einer Dose Energy geht das schon.“ Nein, ihr braucht 120% eurer Konzentration.

Im Winter ist es ab Jokkmokk endlos dunkel. Keine Zentraleuropäische Dunkelheit. Nein tiefste Schwärze. Hier oben ist im Januar auch schon Sundowner. Für Frühaufsteher bietet sich das natürlich an. Aber Spaß beiseite, seit euch klar dass ihr die meiste Strecke in absoluter Dunkelheit fahren werdet.

Mit unserer handelsüblichen Lichtanlage waren wir fast aufgeschmissen. Es ist nicht unüblich, dass man ohne Zusatzscheinwerfer bei sternenklarer Nacht nicht mehr als 30 Meter sehen kann. Trotz extrem gewissenhafter Vorbereitung (Camping hinter dem PolarkreisNur was für Profiausrüstung?) hat uns die Schwärze der Nacht hier überrascht.

Auf Karten wirkt die Strecke harmlos. Aber im Winter verändert Schnee die Wahrnehmung komplett. Straßenmarkierungen verschwinden, Kontraste gehen verloren und Entfernungen lassen sich deutlich schwerer einschätzen.

Die meisten Einheimischen fahren dort oben ein Allrad mit Spikereifen und einer Lichtanlage die bis Rostock strahlt. Sie haben jedes Recht dazu. Schnell hat sich bei uns der Begriff „Elchfänger“ für die Zusatzbeleuchtung etabliert. Der ursprüngliche Gedanke hat sich von dem „Reh im Lichtkegel“ Problem abgeleitet. Und in Schweden gibt es nun mal Elche statt Rehe.

Für gerade einmal 209 Kilometer waren wir fast einen halben Tag unterwegs. Wir sind um knapp 12:30Uhr aufgebrochen und erreichten Kiruna im Sonnenuntergang. Laut meinen Timestamps auf den Bildern war es 16:00Uhr. Somit waren wir 3,5h eher 4 Stunden unterwegs. Plant euch hier großzügig Zeit ein. Google Maps sprach von 2h 40min- sehr optimistisch. Die Zeitangaben könnt ihr ab Jokkmokk eh vernachlässigen.

Dieses Etappenziel an sich ist das Highlighte auf der gesamten Route. Kiruna darf sich die nördlichste Stadt Schwedens nennen. Es liegt 200km nördlich dem Polarkreis, und somit schon in der arktischen Geozone. Diese Stadt hat uns wie keine zweite gefordert. Um genau zu sein hat sie uns alles abverlangt, und bestach uns mit ihrer atemberaubenden Schönheit. Selbst die Polarlichtstürme waren am Ende nur ein Teil dessen, was Kiruna so besonders gemacht hat.

Falls ihr auch geplant habt, dort oben zu campen- nehmt einen Spaten mit. Ich will nicht zu viel verraten, aber ihr werdet ihn öfter brauchen als euch lieb ist. Wenn ihr mehr über ein eisiges Drama am Ende des Kontinents, einen Polarlichtsturm und einen Spaten der seinem Namen alle Ehre gemacht hat, wissen wollt, seid ihr hier: Eine Reise bis fast ans Ende der Welt - Radikal Draußen- der Trip unseres Lebens genau richtig.

Unser Schlafplatz war absolute Premiumliga. Ganz hinten, ganz am Rand durften wir beim Skilift der Stadt parken. Der Platz ist eben und betoniert. Zum Polarlichterbeobachten könnt ihr einfach die direkt angrenzende Schneemobilpiste hinunter wandern. Aber auch von dem Parkplatz aus habt ihr, dank der erhöhten Lage, einen einmaligen Blick über Kiruna. Sobald der letzte Wintersportfan die Piste runter ist, schalten die Skiliftbetreiber die Flutlichter ab, und geben damit die Bühne frei für die wahren Stars am Himmel. Über uns zogen Polarlichter hinweg, während wir uns tief in unseren Arktisschlafsäcken vergraben haben. Um uns existierte nicht mehr als die endlose Stille Skandinaviens.

Dafür hat sich jeder einzelne Kilometer gelohnt.

6. Etappe: Rückreise Kiruna- Gränna

• Gesamtstrecke: 1.500km

• Fahrzeit (Winter): ca. 17h

• Straße: größtenteils E4

• Übernachtung: Parkering Grännaberget

Google Maps: https://maps.app.goo.gl/s1R7AftsGBWFfPP78

• Schwierigkeitsgrad: ❄️❄️

Wir haben gekämpft und alles gegeben. Aber hier war unser Limit erreicht. Unser Ziel war nie das Nordkap. Natürlich wäre ich gern am Rande des Kontinents gestanden- das kann ich nicht leugnen. Nur war das nie unser Ziel. Wir sind in Bayern ins Auto gestiegen und sind der Kompassnadel nachgefahren.

Unser Ziel war:

• Polarlichter sehen

• In der Arktis campen

• Mit weniger als 1000€ pro Person Nordskandinavien in seiner reinsten Form erleben

Ich denke wir haben unser Ziel erfüllt. Unser ursprünglicher Plan war, weiter nach Abisko zu fahren, nur hier in Kiruna war für uns die Grenze des Verantwortbaren erreicht. Wir hatten bei sternenklaren Nächten zu tun gehabt unser Auto unter Kontrolle zu halten. Wir kämpften mit den Schneefahnen der LKW und damit verbundener Blindheit. An diesem Punkt hätten wir Spikereifen und eine zusätzliche Lichtanlage benötigt um weiter zu kommen. Bergpässe waren so definitiv nicht drin. Außerdem campten wir schon eine knappe Woche autark in einem 1er BMW mit Polarausrüstung. Wir hatten beide unsere körperlichen Grenzen erreicht.

Und so fuhren wir. Zu erst bis Mittelschweden.

Keiner von uns beiden wollte hier bleiben. Wir hingen zu sehr noch in der Arktis. Mittelschweden konnte uns nichts geben. Und so zogen noch mehr Wälder, Wiesen, rote Häuschen an uns vorbei.

Je weiter wir nach Süden kamen, desto mehr hatte ich das Gefühl, die Arktis langsam hinter uns zu lassen.

Kurz hatten wir überlegt ob wir einen Stopp in Stockholm machen wollten. Das Problem ist nur: Stockholm hat ähnlich wie München eine Dieselsperrzone. Für unser Auto kam ein Abstecher in die Innenstadt wegen der Umweltzone ohnehin nicht infrage. Außerdem hätten alle Ideen mindestens 1h Öffis bedeutet. Und ganz ehrlich wer hätte uns nach diesen Erfahrungen in der Stockholmer Metro gesehen? Genau, wir auch nicht.

Stattdessen machten wir eine kurze Pause in einem Mecces kurz vor der Millionenmetropole. Wir traten durch die Tür ins gleißend helle Kunstlicht. Es war skurril.

Da standen wir nun. Schlammige Skihose, Motorenöl auf der Jacke, schwere Schneestiefel mit offenen Schnürsenkeln. Jede sichtbare Hautstelle übersäht von Quetsch- und Risswunden.

Viele Gäste blickten irritiert zu uns herüber. Aber wir grinsten uns nur an. Wir hatten die Arktis erlebt. In unserem kleinen, alten 1er BMW.

Nach unzähligen Stunden fanden wir uns in einem kleinen Wald in Småland wieder. Milde -6° C waren ein Geschenk. Das Leben war endlich wieder einfacher.

Als wir am Morgen danach aufwachten, beobachtete ich einen Mann mit Hund der unser Auto sehr argwöhnisch betrachtete. Ich stellte mich schon auf Diskussionen ein, ob man hier nun parken darf oder nicht. Als er auf dem Rückweg war, hatte ich die hintere Tür schon geöffnet um den Ausblick zu genießen. Nun sprach er mich an. Eigentlich war er total süß. Er wollte nur sichergehen, dass es uns gut gehe. Bei solch winterlichen Temperaturen muss man ja schließlich mal nachfragen. Ich war ganz gerührt. Für uns fühlten sich -6°C an wie Frühling.

Falls ihr aber einen schönen Stellplatz sucht, könnt ihr hier sogar mit Wohnmobilen parken.

7. Etappe Gränna- Älmult- Trelleborg- Rostock- Bayern

Gesamtstrecke:

Fahrzeit (Winter):

Straße:

Übernachtung: Parkering Grännaberget

Google Maps: https://maps.app.goo.gl/s1R7AftsGBWFfPP78

Schwierigkeitsgrad: ❄️❄️

Hier gibt es eigentlich nichts Spektakuläres mehr zu erzählen. Wir gönnten uns noch eine Nacht im IKEA-Hotel in Älmhult, dem Standort des ersten IKEA-Einrichtungshauses. Ein kleiner Geheimtipp ist das Restaurant. Dort bekommt ihr absolut gigantische High- End Küche auf den Teller. Ich hatte vergessen die Preise von Kronen in Euro umzurechnen. Nun saßen wir da und bekamen einen Gang nach dem Nächsten von einem Kellner mit Serviette über dem Arm serviert. Ich begann schon auszurechnen, wie weit mein Konto das wohl mitmachen würde. Am Ende zahlten wir weniger als knappe 40€. Ich fragte den Kellner noch, ober er sich sicher nicht verrechnet hatte. Nein hatte er nicht. Das war ein absolut krönender Abschluss.

Auf dem riesigen Teller kleine Delikatessen, unter dem Tisch noch immer die Füße in den Abenteurerstiefeln.

Wir waren unfassbar weit gekommen.

Wir durften die Polarnächte im schwedischen Lappland erleben.

Und wir waren sicher wieder zu Hause angekommen.

Seitdem wohn ein kleines Stück Arktis in meiner Seele.

Ich hoffe, ihr konntet den einen oder anderen hilfreichen Tipp mitnehmen. Vielleicht habt ihr sogar Lust bekommen, den Norden selbst zu entdecken.

Mir bleibt eigentlich nur zu sagen: Danke an Alle die sich in die Arktis entführen ließen. Es bedeutet sehr viel, dass ihr das hier lesen könnt.

Und jetzt?

Raus mit euch.

Habt Spaß.

Und passt aufeinander auf.

Eure Patricia

Für Alle die die Arktis noch nicht verlassen wollen:

Hier findet ihr die komplette Arktisreihe:

Die nächste Etappe wartet schon:

Eine Reise bis fast ans Ende der Welt

Radikal Draußen- der Trip unseres Lebens

Hier findest du meine neusten Geschichten: