
vor einigen Jahren haben wir uns nach langer Diskussion für einen Roadtrip entlang der Amalfiküste entschieden. Es sollte unser zweiter gemeinsamer Roadtrip werden.
Den kompletten Nachmittag verbrachten wir mit der Planung. Umso mehr Zeit durch unser Esszimmer flog, desto mehr Papier stapelte sich um uns herum.
Gewissenhaft, wie wir damals waren, druckten wir jede noch so kleine Etappe auf einer Karte aus. Noch akkurater wäre es wohl nur gewesen, hätten wir alle Blätter in Klarsichtfolien gesteckt und fein säuberlich in einem Schnellhefter sortiert. Zu unserer Verteidigung kann ich aber sagen: Bis zu den Klarsichtfolien haben wir es selbst damals nicht kommen lassen.
Wie dieser Roadtrip trotz aller Vorbereitung eine völlig unerwartete Wendung nahm, erfahrt ihr jetzt.
Wenn ihr danach noch mehr Lust auf die Amalfiküste habt, kann ich euch die vierteilige Reisegeschichte ans Herz legen. Sommer, Sonne, Chaos trifft es nicht einmal ansatzweise.
In diesem Artikel findet ihr unsere komplette Route entlang der Amalfiküste inklusive Fahrzeiten, Campingplätzen, Straßen und persönlicher Erfahrungen.
So, jetzt aber rein da.
• Gesamtstrecke: 1.244 km
• Fahrzeit (Sommer): ca. 11 Stunden
• Straße: überwiegend A93, E45 und A1,
• Übernachtung: -
• Schwierigkeitsgrad: ☀️☀️
Grundsätzlich gibt es über eine elfstündige Autobahnfahrt kaum etwas zu erzählen. Allerhöchstens vielleicht, dass es in Italien durchaus vorkommen kann, dass ein komplettes Autobahnstück gesperrt ist. Seid also gewarnt, wenn plötzlich ein Schild vor euch auftaucht und euch gnadenlos von der Autobahn schickt.
Wir selbst waren an diesem Punkt ziemlich aufgeschmissen. Nachts um zwei Uhr irrten wir irgendwo durch das italienische Hinterland und suchten den Weg zurück. Unser Navi war dabei leider überhaupt keine Hilfe. Die freundliche Damenstimme wusste nämlich absolut nichts von der Baustelle. Stattdessen blaffte sie uns ununterbrochen an, wir sollten gefälligst umdrehen und die Autobahn benutzen.
Irgendwann, nach mehreren Dosen Energy, ein bis vier Beziehungskrisen und dem ernsthaften Hinterfragen sämtlicher Lebensentscheidungen tauchte dann aber doch noch Neapel vor uns auf.
Zum Thema Maut: Mittlerweile dürfte es wohl kein Geheimnis mehr sein, dass sowohl Österreich als auch die Brennerautobahn gebührenpflichtig sind. Die Vignette bekommt ihr an nahezu jeder Autobahnraststätte kurz vor oder nach der österreichischen Grenze. Alternativ könnt ihr sie auch ganz bequem online kaufen.
Für die Brennerautobahn erhaltet ihr zusätzlich ein Ticket, das ihr unbedingt aufbewahren solltet, bis ihr die Strecke wieder verlasst. (Ja, auch wir haben das schon fast verbummelt.) An der Ausfahrt wird – ähnlich wie im Parkhaus – anhand der gefahrenen Strecke die Maut berechnet.

• Gesamtstrecke: 71 km
• Fahrzeit (Sommer): ca. 2 Stunden
• Straße: überwiegend E45 (Mautpflichtig) dann SS145
• Übernachtung: Camping Village Sorrent (Campingplatz)
• Schwierigkeitsgrad:☀️☀️☀️☀️
Ihr seht richtig vier von fünf Sonnen. Das Stück um den Vesuv herum besteht ausschließlich aus Serpentinen. Das ist der entspannende Teil. Ihr solltet aber für das Stück durch Neapel und das Stadtstück durch Sorrent eine Extraportion gute Laute eingepackt haben. Ohne Übertreibung kann ich sagen: Ich fahre sehr viel Stadt. Ob München, Nürnberg, Thessaloniki, Stockholm oder sonst wo in Europa. Neapel war mein persönlicher Alptraum. Neapel ist ein Siedetopf der Emotionen. Irgendwann fragt ihr euch ernsthaft, ob dort nach denselben Verkehrsregeln gefahren wird, die ihr in der Fahrschule gelernt habt. Es fährt derjenige, der kann – nicht der, der darf. Wenn sich vor euch eine Lücke auftut. Nutzt sie, wenn euch eure Stoßstange lieb ist.
Wir haben es zum Glück ohne Kratzer aus der Stadt hinausgeschafft, obwohl ich nicht daran geglaubt hatte. In Sorrent sind die gefühlten Gesetze ähnlich wie in Neapel. Nur sind hier etwas weniger Menschen unterwegs.
Ihr braucht ein Beispiel? Klar. Vor euch fahren ein Rollerfahrer, ein Eselkarren und ein Senior auf einem Fahrrad in einen Kreisverkehr. Wann dürft ihr fahren?
Richtig. Immer. Ihr passt problemlos neben alle drei in die zweite Reihe des Kreisverkehrs.
Ach ja – der Kreisverkehr ist übrigens einspurig.
Willkommen in Süditalien.

• Gesamtstrecke: 60 km
• Fahrzeit (Sommer): ca. 2 Stunden
• Straße: überwiegend SS145 E3 E45 (Mautpflichtig)
• Übernachtung: Camping Beata Solitudo (Campingplatz)
• Schwierigkeitsgrad:☀️
Heute sollte es also mal wieder etwas Kultur geben. Gesagt, getan. Nach einem unfassbar heißen aber sehr schönen Tag saßen wir in Pompeji auf dem Parkplatz. Es war erst die dritte Etappe und schon war unsere gesamte Vorbereitung beim Teufel. Wir waren zu früh aus Sorrent abgereist. Eigentlich hatten wir Pompeji nur als Tagesausflug geplant.
Nach einer guten Stunde Suche entdeckten wir einen winzigen Campingplatz namens Beata Solitudo in den Bergen oberhalb der Amalfiküste.
Der Weg führte uns vor allem über kleine Überlandstraßen nach Agerola. Falls ihr Lust auf das echte Italien habt, seid ihr hier genau richtig. Agerola ist ein wunderschönes Bauerndorf zwischen zwei Wandergebieten. Wir haben auf dem Campingplatz fast ausschließlich Italiener getroffen. Und das zur Hauptreisezeit. Außerdem habt ihr hier einen unfassbaren Blick über ein sehr privates Stück der Amalfiküste. Wir möchten die Nacht in diesem Dorf nicht mehr missen. Falls ihr euch fragt, wie ein einzelner Abend unser halbes Leben auf den Kopf stellen konnte, müsst ihr unbedingt den dritten Teil der Amalfi- Reisegeschichten lesen: "Ein Ausflug in ein Land vor unserer Zeit-Hitze, Staub und ein Sonnenuntergang der Alles verändert"

• Gesamtstrecke: 60 km
• Fahrzeit (Sommer): ca. 2 Stunden
• Straße: überwiegend SS366 und SS163 (Strada Amalfitana)
• Übernachtung: Baia dei delfini in Battipaglia (Campingplatz)
• Schwierigkeitsgrad: ☀️☀️☀️☀️☀️
Unser Plan war es, die Amalfiküste zu sehen. Und dazu gehörte natürlich auch die weltberühmte Strada Amalfitana. Damals hielten wir das noch für eine gute Idee.
Wir schlängelten uns durch die malerische Landschaft rund um Agerola. Als wir jedoch Ravello immer näherkamen, traf uns der Schlag.
Jeder der euch sagt, er ist die Amalfiküste selbst entlanggefahren und hatte den entspanntesten Urlaub seines Lebens lügt schamlos.
Diese Straße sucht ihresgleichen. Neapel war schlimm. In der Stadt drängten sich hunderte Autos in einen kleinen Kreisverkehr. Hier drängten sich Hunderte Autos und ebenso viele Reisebusse über eine Straße, die eigentlich schon mit einer einzigen Fahrspur ausgereizt wäre. Und trotzdem gibt es Gegenverkehr.
Wenn ihr wirklich hier selbst entlangfahren wollt, solltet ihr Beulen und Kratzer am Auto zumindest gedanklich schon einmal abhaken.
Die Straße führt größtenteils an der direkten Klippe, teilweise mehrere hundert Meter über dem Meer entlang. Gleichzeitig schrammt ihr auf der Fahrerseite sehr oft, nur knapp an einer massiven Felswand entlang.
Euch erwarten Horden von Menschen, die wahllos über die Straße laufen oder einfach mitten darauf stehen, weil längst kein freier Fleck mehr übrig ist. Gleichzeitig fahrt ihr vorbei an azurblauem Meer, malerischen Pinien und einem Horizont, der scheinbar kein Ende nimmt.
Landschaftlich ohne Frage wunderschön. Aber vom fahrtechnischen Anspruch absolut verdiente 5 Sonnen.
Würde man mich fragen, ob ich die Strecke noch einmal so fahren würde, würde mir augenblicklich die Panik in die Augen schießen. Ohne auch nur eine Millisekunde zu überlegen, würde ich hektisch den Kopf schütteln.
Stattdessen würde ich eine Unterkunft etwas außerhalb wählen und Ravello oder Amalfi ganz entspannt mit Bus oder Fähre besuchen.
Das Stück Richtung Salento ist sehr ereignislos. Autobahn, Staus, Stadtautobahn.

• Gesamtstrecke: 708 km
• Fahrzeit (Sommer): ca. 7,5 Stunden
• Straße: überwiegend A1
• Übernachtung: Camping Acqua Dolce
• Schwierigkeitsgrad: ☀️
Wir hatten noch ein paar Urlaubstage übrig. Und so beschlossen wir den Rückweg zu splitten und zwei Nächte in Levanto bei Cinque Terre zu verbringen.
Die Strecke verlief zum Glück sehr ereignislos. Nur in Levanto selbst mussten wir höllisch aufpassen. Wir hatten uns inzwischen erstaunlich gut an die süditalienische Auslegung der Verkehrsregeln gewöhnt.
Hier oben im Norden fährt man aber sehr zentraleuropäisch. Nach den ersten energischen Hinweisen der anderen Verkehrsteilnehmer fiel uns auf, dass wir den süditalienischen Fahrstil wohl doch besser wieder ablegen sollten.
Aber nachdem wir uns angepasst hatten, kamen wir heil an einem sehr schönen und sehr zivilisierten Campingplatz an. Der Campingplatz liegt fußläufige 15 Minuten vom Strand entfernt Während unseres Aufenthalts herrschte ein angenehmer Wellengang. An vielen Tagen ruderten sogar ein paar Surfer dem Sonnenuntergang entgegen.
Levanto ist eine herrliche Kleinstadt, die trotz ihrer Beliebtheit angenehm entspannt wirkt.
Die großen Touristenströme verteilen sich vor allem auf die fünf Dörfer der Cinque Terre.
Natürlich ist auch Levanto im Sommer gut besucht. Trotzdem haben wir selbst ohne Reservierung problemlos einen Platz auf dem Campingplatz bekommen.

• Gesamtstrecke: 828 km
• Fahrzeit (Sommer): ca. 9 Stunden
• Straße: überwiegend E45
• Übernachtung: -
• Schwierigkeitsgrad: ☀️☀️
Die Heimreise verlief bis auf eine kleine Reifenpanne, die noch vor der Autobahnauffahrt behoben werden konnte, sehr ereignislos.
Im Grunde sind wir in Levanto auf die Autobahn gefahren und 100km nach München wieder runter.
Kein Drama, keine Verwirrung, einfach geradeaus fahren. Das hat uns nach diesem Urlaub richtig gutgetan.
Die zwei Sonnen stehen trotzdem für die neunstündige Fahrt und dafür, dass ihr eure Konzentration und Müdigkeit realistisch einschätzen solltet.
Ich hoffe, ihr konntet den einen oder anderen hilfreichen Tipp mitnehmen. Vielleicht war ja sogar die eine oder andere Idee für euren nächsten Italienurlaub dabei.
Wer weiß, vielleicht sehen wir uns ja in Agerola auf einen kühlen Weißwein.
Mir bleibt eigentlich nur zu sagen: Danke an Alle die sich auf die wilde Fahrt entlang der Amalfiküste entführen ließen.
Es bedeutet mir sehr viel, dass ihr euch die Zeit nehmt, das hier zu lesen.

Und jetzt?
Raus mit euch.
Habt Spaß.
Und passt aufeinander auf.
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Zwischen millimetergenauen Ausweichmanövern, italienischen Campingplatzregeln, nächtlicher Kinderdisco und jeder Menge Espresso gerät unser Roadtrip gehörig aus dem Takt. Eine Geschichte über das Scheitern, das Lachen – und darüber, warum ausgerechnet die chaotischsten Reisen die schönsten Erinnerungen hinterlassen.

Zwischen römischen Straßen, flirrendem Licht und einer Stadt, die noch atmet, verlieren wir für einen Moment die Gegenwart. Ein Campingplatz mit Parkettplätzen für die Seele.Eine Pizza, die mehr sagt als Worte.Ein Sonnenuntergang, der etwas in uns verschiebt.

